Netzbiographie – Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck

Itinerar

Stefan Brenk

<1>

Das vorliegende Itinerar ist eine graphische Darstellung der Reisen Josephs zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Es bildet die in der bisherigen Forschung nachgewiesenen Reisen ab. [1] Zwischen den einzelnen Arbeiten und Quellenstücken bestehen zum Teil signifikante Überschneidungen mit Blick auf die Aufzählungen der Reiseziele und -anlässe Josephs zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Insbesondere bei der Beschreibung der Kavalierstour  fallen die Nachweise der Reiserouten sehr unterschiedlich aus. Christiane Coesters Aufsatz bezieht sich nur indirekt auf Joseph. Entsprechend knapp fallen hier Hinweise auf die Reisen des Dycker Schlossherrn aus.

<2>

Dem Itinerar liegen insgesamt 48 konkrete Einzelnachweise von Reisen zugrunde. Um Überschneidungen möglichst zu vermeiden, wurde versucht, die entsprechenden Angaben vor allem aus den Studien Margit Sachses und Heinke Wunderlichs zu gewinnen, was bis auf wenige Ausnahmen möglich war. Dennoch verbleiben einzelne Doppelungen, die als solche nicht eindeutig zu erkennen sind, aber sich durch die zeitliche Nähe und weitere Indizien erklären lassen. Beispielsweise findet sich bei Margit Sachse der Hinweis auf einen Besuch in den Botanischen Gärten Wiens für 1814. [2] Ebenfalls beschreibt die Autorin Josephs Reise nach Wien für das Amt des Kaiserlichen Kammerherrn zur selben Zeit. [3] Es ist plausibel, hier nicht von zwei separaten Wienreisen, sondern von einem Besuch der Botanischen Gärten während des eher politisch motivierten Aufenthaltes in der Donaustadt auszugehen. Umgekehrt zeigt das Itinerar einige Routen auf, die mehrmals, teilweise sogar in regelmäßiger Wiederkehr von Joseph bereist wurden. Als erstes sind hier seine jährlichen Aufenthalte in Paris zu nennen, die ihn und Constance in den Wintermonaten in die Salons der französischen Hauptstadt führten und Gespräche mit führenden Botanikern sowie Besuche in den Pariser Gärten ermöglichten. In diese Kategorie fallen auch die Aufenthalte in Köln und Alfter, die im Itinerar nur angedeutet werden können.

<3>

Hier nicht aufgeführt sind jene Reisen, die im bisher ausgewerteten Archivmaterial keinen Niederschlag gefunden haben. Während die Kavalierstour aufgrund der detaillierten Nachweise in den Rechnungsbüchern und der einschlägigen Korrespondenz gut nachvollziehbar ist und bei einzelnen Reisen – beispielsweise der Anreise an den zweiten Studienort Paris – sogar die Route, in diesem Fall über Jülich, Lüttich, Brüssel, Lille und Chantilly, bekannt ist, muss von weiteren Reisen Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dycks ausgegangen werden, die im Einzelnen nicht überliefert sind. In Brüssel hatte Josephs Bankier seine Niederlassung, in Aachen bestand ebenso wie in Köln Immobilienbesitz, in Düsseldorf fanden die Sitzungen des Rheinischen Provinziallandtags statt, bei denen Joseph regelmäßig persönlich als Teilnehmer nachgewiesen ist.

<4>

Die Roisdorfer Mineralquellen in der Nähe Bornheims gehörten bereits zum altgräflichen Besitz und legen zumindest unregelmäßige Besuche des Eigentümers nahe. Nicht zuletzt können auch Reisen nach Frankfurt oder in europäische Zentren wie Amsterdam oder London nicht ausgeschlossen werden. Exemplarisch lässt sich dies für Frankfurt mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 begründen, in dem Joseph eine immerwährende Rente auf die Stadt Frankfurt zugesprochen wurde – ein Besuch in der Freien Reichsstadt ist entsprechend plausibel. In der Vorrede zu seinem Hauptwerk Hortus Dyckensis beschreibt Joseph seine intensiven Kontakte zu vielen botanischen Gärten, wie zu denen in London, Hamburg, Norwich, Kimbolton, Genf, München, Karlsruhe und Leiden. Von einem konkreten Besuch spricht er jedoch lediglich für die Städte Madrid, Berlin und Wien. [4] Obgleich für die übrigen Orte primär von Korrespondenzbeziehungen auszugehen ist, scheint ein Besuch in den Gärten oder ein Treffen mit den jeweiligen Gartendirektoren nicht abwegig. In diesem Sinne ist das Itinerar zunächst eine Darstellung des derzeitigen Erkenntnisstandes, in welche die Ergebnisse künftiger Forschungen noch regen Eingang finden mögen.

Anmerkungen

[1] Folgende Arbeiten und Quellen wurden berücksichtigt: Margit Sachse: Als in Dyck Kakteen blühten… Leben und Werk des Dycker Schlossherrn Joseph Altgraf und Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773–1861), Pulheim 2005; Heinke Wunderlich: Studienjahre der Grafen Salm-Reifferscheidt (1780–1791). Ein Beitrag zur Adelserziehung am Ende des Ancien Régime, Heidelberg 1984; Jakob Bremer: Die reichsunmittelbare Herrschaft Dyck der Grafen jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheidt, Grevenbroich 1959; Christiane Coester: Wanderin zwischen den Welten? Constance de Salm, Paris und das Rheinland, in: Gabriele Clemens / Malte König / Marco Meriggi (Hg.): Hochkultur als Herrschaftselement. Italienischer und deutscher Adel im langen 19. Jahrhundert, Berlin 2011, 263-280; Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck: Denkschrift über die Verhältnisse und Ansprüche des Altgrafen zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, o.O., o.J. [um 1820]. In: Archiv Schloss Dyck, Bestand Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck – Kart. 35/5; Sonja Geurts: Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773–1861), in: Lebensbilder aus dem Kreis Neuss Nr. 5, Neuss 2006, 32-47; Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck: Hortus Dyckensis oder Verzeichniss der in dem botanischen Garten zu Dyck wachsenden Pflanzen, Düsseldorf 1834. Online unter: http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=hvd.32044102804051;view=1up;seq=9 (28.05.2014).

[2] Sachse: Als in Dyck Kakteen blühten (wie Anm. 1), 185.

[3] Sachse: Als in Dyck Kakteen blühten (wie Anm. 1), 91.

[4] Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck: Hortus Dyckensis (wie Anm. 1), IVf.

Empfohlene Zitierweise
Stefan Brenk, Itinerar, aus: Martin Otto Braun, Elisabeth Schläwe, Florian Schönfuß (Hg.), Netzbiographie – Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773-1861), in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/netzbiographie/itinerar/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 24.01.2017