Netzbiographie – Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck

Transkriptionen

Korrespondenz mit Christian Gottfried Nees von Esenbeck (1776-1858), Direktor des Botanischen Gartens, Bonn; Universitätsgartens, Berlin; Botanischen Gartens, Breslau

Erster Brief

Brief von Nees von Esenbeck, 21. März 1820.

Durchlauchtigster Fürst, gnädigster Fürst und Herr!

Wenn ich es wagte, Euer hochfürstlichen Durchlaucht das Diplom eines wircklichen Mitglieds der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher ausfertigen zu laßen, so möge die ganze schöne Welt der Pflanzen, denen Euer hochfürstliche Durchlaucht die Aufmercksamkeit eines Gelehrten und die Gunst eines kunstsinnigen Liebhabers geschenckt haben, meine Kühnheit bey Höchstdenenselben zu entschuldigen und wo möglich zu loben versuchen. Die Pflicht, alles, was ich vermag, zur Verherrlichung des meiner Leitung vertrauten Instituts beyzutragen, erlaubt mir nicht, bescheidneren Rücksichten Gehör zu geben, wo es sich davon handelt, das Interesse großer Naturforscher und Naturfreunde an das der Akademie zu knüpfen. Möge Euer hochfürstlichen Durchlaucht geruhen, mit Wohlwollen an den Bestrebungen dieses alten, durch die milde Unterstützung unserer preißwürdigen [?] Regirung, nun wieder neu geweckten Instituts Theil zu nehmen!

Die Amaryllis darf ich nun wohl für neu halten, denn eine Vergleichung mit L’Heritier und mit and[eren] Rep[ertorien] beweist, daß es Amaryllis reticulata nicht seyn kann. Ich erwarte nun das Botanische Cabinet worin die einzige, nach der Diagnosen noch zu vergleichende Art, Amaryllis rutilaker abgebildet ist, (wiewohl ich sehr zweifle, das diese hirhergehören), und hoffe dann, diese schöne Pflanze, dich ich nach dem Beyspiel der Amaryllis Reginae, Amaryllis Principis zu nennen vorschlage, mit einer Beschreibung von Euer hochfürstlichen Durchlaucht begleitet, in dem nächsten Band der Verhandlungen der Akademie bekannt machen zu können.

Wäre es uns auch möglich, außer Paris, einen Künstler zu finden, der im Stich dieses schöne Bild würdig wiedergäbe! Eine solche Vermittlung müssten freylich Euer hochfürstlichen Durchlaucht vorbehalten bleiben.

Eine traurige Nachricht von verderblichen Wirkungen des Frosts, der in die schönen Gewächshäuser auf der Dyk eingedrungen sey, hat sich hier verbreitet. Ich hoffe, die Sage werde ihren Ruf als Unheilsbotin durch ihren zweyten Beynamen wieder gut machen oder der Schaden doch wenigstens so groß nicht seyn.

In tiefer Verehrung beharre ich

Euer hochfürstlichen Durchlaucht unterthänigster

Dr. Nees von Esenbeck

Bonn, den 21. Merz 1820.

Archiv Schloss Dyck, Bestand Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck – Kart. 8/104.

 

Zweiter Brief

Brief an Nees von Esenbeck betr. Monographie, 7.Februar 1836, [Abschrift].

Dyck, den 7ten Februar 1836

Ewer Hochwohlgeboren

bin ich für das günstige Urtheil, welches Sie die Gewogenheit haben über meine Monographie zu fällen, höchst verbunden und ich werde es mir gewiß angelegen seyn lassen Ihren Beyfall zu rechtfertigen. Bei jedem Unternehmen ist der Anfang am schwierigsten; auch, da ich meine Beschreibungen nicht in einer fortlaufenden Reihenfolge geben kann, mußte ich mir zuerst eine Fertigkeit erwerben um ungestört und ohne die wesentlichen Unterscheidungs-Merkmale zu vergessen, von einer Section zu einer andern, oft sehr entfernten, überzuspringen. Euer Hochwohlgeboren Urtheil, obwohl vielleicht durch einige freundliche Nachsicht bestimmt, ist mir dennoch eine große Aufmunterung, für welche ich herzlich danke.

Auch ich habe zuerst Mesembrianthemum schreiben wollen und werde es in meiner Vorrede sagen. Ich habe mehrmalen mit den Herrn von Jussieu, Desfontaines und Decandolle über die Abstammung dieses Wortes gestritten. Sie kann allerdings von zwei verschiedenen Bedeutungen abgeleitet werden. Keiner jedoch gebührt ein unbedingter Vorzug; denn blühen in der That viele Zaserblumen um die Mittagsstunde, so thun sie es doch bei weitem nicht alle, während alle ohne Ausnahme die perigyne Stellung der Staubfäden und der Blumenblätter auf das deutlichste zeigen. Breyne hat seiner Benennung die erste Bedeutung beigelegt. Dillen hingegen, und nach ihm Linné, die andern; wer hat Recht und wer hat Unrecht? Viele Zaserblumen sind Mesembrianthema in dem breynischen Sinne des Wortes und alle sind Mesembryanthema in dem dillenschen. Die Schreibart ist in beiden Fällen richtig, indem sie sich auf zwei verschiedene Bedeutungen bezieht und um den Vorzug zu bestimmen, braucht nur berücksichtigt zu werden, daß Linné zuerst das Geschlecht Mesembryanthemum aufgestellt hat; daß wir es, mit den von ihm gegebenem Characteren, allgemein angenommen haben und daß kein überwiegender Grund vorhanden ist nun auch nicht den Stamm, mit der ihm beigelegten Bedeutung, beizubehalten. Diese Betrachtungen haben mich nach vielem Hin- und Hersinnen bewogen es bei der Linnéschen Schreibart zu belassen.

Empfangen Ewer Hochwohlgeboren die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochschätzung und der Ihnen längst gewidmeten freundschaftlichen Gesinnungen.

Unterzeichnet J. F. zu Salm-Dyck.

Archiv Schloss Dyck, Bestand Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck – Kart. 8/104.

An Nees von Esenbeck - S.1
An Nees von Esenbeck - S.1
Rechte: Familie Wolff-Metternich
An Nees von Esenbeck - S.2
An Nees von Esenbeck - S.2
Rechte: Familie Wolff-Metternich

Empfohlene Zitierweise
Elisabeth Schläwe, Transkription: Korrespondenz mit Christian Gottfried Nees von Esenbeck (1776-1858), Direktor des Botanischen Gartens, Bonn; Universitätsgartens, Berlin; Botanischen Gartens, Breslau, aus: Martin Otto Braun, Elisabeth Schläwe, Florian Schönfuß (Hg.), Netzbiographie – Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773-1861), in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/netzbiographie/transkriptionen/korrespondenz-nees-von-esenbeck-18201836/?L=0 (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 22.05.2015