Praxis Online-Redaktion

Glossieren, Annotieren und Korrigieren im digitalen Text

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Je nach Inhalt, Form, Sprachstil, Orthographie, Idiomatik, thematischem Zuschnitt, Quellengehalt usw. wird der wissenschaftliche Online-Redakteur in die ihm zur Bearbeitung übertragenen Texte eingreifen. Etliche dieser Eingriffe werden nur Vorschlagscharakter haben, mancher Punkt wird noch durch Nachfragen beim Autor zu klären sein, Ergänzungsvorschläge aus dem fachbezogenen Wissensschatz des Redakteurs mögen in den Text einfließen, andere Korrekturen und formelle Anpassungen werden demgegenüber absolut obligatorisch sein und müssen dem Autor als solche selbstverständlich signalisiert werden. Es wird rasch ersichtlich: Der Redakteur mag noch so gute Änderungsvorschläge machen, sie wollen dem Autor zunächst präzise kenntlich gemacht werden. Dabei hilft ein einheitliches, einprägsames, gut verständliches Markierungssystem, das sowohl den Autor als auch etwaige Nach- und Mitbearbeitende im Blick behält.

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Bestens dafür geeignet ist der "Korrekturmodus" von Microsoft-Word (zu aktivieren über den Reiter "Überprüfen" und die folgende Schaltfläche "Änderungen nachverfolgen"). Ein funktionierendes redaktionelles Markierungssystem sollte dieses überaus nützliche Tool zur Basis haben. Im Übrigen ist ein "Übersehen" von Korrekturen im MS-Korrekturmodus im Grunde ausgeschlossen. Jeder Eingriff wird am Dokumentenrand automatisch nochmals mit einem schwarzen Balken markiert. Über die Schaltfläche "Änderungen" lassen sich zudem alle Eingriffe in den Text hintereinander weg aufrufen. Es gibt einige Dinge zu beachten:

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Achten Sie nach Streichung einzelner Wörter oder auch ganzer Satzteile darauf, dass keine doppelten Leerschläge entstehen. Die zugehörigen Leerschläge müssen stets mit beseitigt werden.

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Bemühen Sie sich um Verständlichkeit und nutzen Sie den Korrekturmodus "adressatenorientiert", das heißt stets mit Blick auf den Autor und eventuelle weitere Bearbeiter, den Herausgeber et cetera. Ein fehlerhaftes Wort komplett durchzustreichen, mag zunächst übersichtlicher erscheinen. Der Autor wird aber zumindest länger brauchen, um nachzuvollziehen, weshalb genau der Redakteur jene Streichung vorgenommen hat. Beschränken Sie Ihren Eingriff daher allein auf jene Zeichen, die tatschlich zu streichen, zu ändern oder zu ergänzen sind.

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Nicht eindeutig:

Eindeutig:

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Nutzen Sie den Korrekturmodus als eine Art Kommunikationshilfe. Aber denken Sie an den zusätzlichen Arbeitsaufwand, den ein Kontrollieren und Nachvollziehen auch für den Autor, dessen Dienstleister Sie in diesem Falle sind, bedeuten mag. Es gilt folgendes Prinzip: Die Anpassung des Textes an das style sheet, zu viel gesetzte oder fehlende Leerzeichen und Leerzeilen, das Einfügen einer Absatzzählung, Formatierungen, Kursivierungen et cetera müssen dem Autor nicht mehr eigens indiziert werden. Anders verhält es sich mit Eingriffen im Fußnotenapparat, in Quellenzitationen im Fließtext, in Bildunterschriften usw., die unabhängig vom style sheet einen formellen Fehler korrigieren. Diese müssen dem Autor unbedingt angezeigt werden.

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Idealerweise sollte dem Autor sofort klar sein, wer hinter den im Korrekturmodus angezeigten Texteingriffen steht und dafür verantwortlich zeichnet. Dies ist insbesondere dann relevant, wenn mehrere Redakteure per Korrekturmodus am Text arbeiten – von Word unterschieden durch verschiedene Korrekturschriftfarben. MS-Word setzt als Namen des jeweiligen "Korrektors" automatisch den Benutzernamen des jeweiligen PCs bzw. Windows-Accounts, den dieser verwendet. Achten Sie also darauf, dass dieser dem Ihrigen entspricht oder zumindest eindeutig auf Sie verweist.

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Der MS-Word-Korrekturmodus ist hundertprozentig kompatibel mit der "Kopieren und Einfügen" (Copy & Paste) Funktion von Windows. Einfügungen dieser Art sollten ebenfalls per Korrekturmodus kenntlich gemacht werden. Mit dem Korrekturmodus lassen sich Eingriffe in Fließtext und Fußnotenapparat präzise nachverfolgen. Doch als Erklärungs- und Vermittlungsinstrument stößt er rasch an seine Grenzen. Es bedarf ergänzend des Glossierens und Kommentierens. Dies kann – der Einfachheit halber – ebenfalls bei aktiviertem Korrekturmodus erfolgen, doch muss natürlich eigens hervorgehoben werden, dass es sich um eine Anmerkung oder Nachfrage des Redakteurs handelt. Hierzu kann die in Word integrierte Kommentarfunktion genutzt werden (Reiter "Überprüfen" dann Schaltfläche "Neuer Kommentar"). Schlichtweg schneller, einfacher und dem Autor/Bearbeiter sogleich ins Auge springend ist jedoch das Annotieren in Rautenmarkierung (#).

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Beispiele:

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In Rauten können darüber hinaus einleitend auch allgemeine Fragen, Anregungen, Anmerkungen und Kommentare zum Gesamttext abgefasst werden. Doch ist dabei stets abzuwägen, ob diese Dinge nicht besser in einer E-Mail an den Autoren/Herausgeber aufgehoben wären oder im Falle von Nachfragen auch telefonisch geklärt werden könnten. Auch dies beugt einer "Überfrachtung" des redigierten Dokuments vor, erhält dessen Übersichtlichkeit und damit die Reaktionsfähigkeit und -bereitschaft des jeweiligen Autors.

Empfohlene Zitierweise
Florian Schönfuß, Praxis Online-Redaktion: Glossieren, Annotieren und Korrigieren im digitalen Text, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/praxis-online-redaktion/arbeiten-am-text/glossierenannotieren/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 24.01.2017