Praxis Online-Redaktion

Einige Grundsätze redaktioneller Praxis

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Beim Redigieren wissenschaftlicher Texte gibt es per se nur äußerst selten ein "richtig oder falsch" oder gar eine ideale Vorgehensweise. Vielmehr hat jeder Redakteur immer auch seine ganz eigenen Sichtweisen und Vorstellungen, wie ein Text zur Publikationsreife zu führen ist. Dennoch existieren einige feste Grundsätze, die jedem wissenschaftlichen Redakteur ein steter Handlungsleitfaden sein sollten:

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1. Publikationen sind das "Gold" des Wissenschaftlers. Und dem entsprechend sollten sie behandelt werden: mit größtmöglicher Sorgfalt, Achtsamkeit und Fürsorge. Der Redakteur steht für die korrekte Orthographie, Interpunktion und Grammatik, die Wahrung aller Formalien und wissenschaftlichen Standards, sprachliche Präzision und guten Stil gerade. Ein bedeutsamer wissenschaftlicher Befund verdient einen einwandfreien Text, über den er einer möglichst breiten Öffentlichkeit vermittelt wird.

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2. Autor und wissenschaftlicher Redakteur sind gleichrangige Partner. Beide arbeiten auf ein und dasselbe Ziel hin: einen guten Text. Beide gehen einer hoch anspruchsvollen, komplexen und verantwortungsvollen Aufgabe nach. Dabei sind unterschiedliche Ansichten vorprogrammiert. Behandeln Sie Ihr Gegenüber also stets mit größtem Respekt und aller Höflichkeit. Bringen Sie Ihrem Partner (ob Redakteur, Lektor, Korrekturassistent, Autor oder Herausgeber) Ihr Anliegen möglichst einfühlsam und schonend bei. Er wird es Ihnen danken!

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3. Der perfekte Text ist in jeder Hinsicht eine Utopie. Kein Redakteur dieser Welt wird immer jeden Fehler finden, irgendwann wird auch er am jeweiligen Manuskript "betriebsblind". Falls vorhanden, hilft dann am besten noch ein "frisches Augenpaar". Ein "Kontrolldurchgang" bzw. ein "Fine Tuning" nach dem eigentlichen intensiven Redigieren sollte allerdings immer erfolgen. In schwierigen Fällen darf es auch ein dritter Durchgang sein. Dann sollten Sie innerlich mit der Sache aber auch abschließen und "loslassen".

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4. Wahren Sie den Stil. Jeder Autor hat seinen ganz eigenen Schreib-, Argumentations- und Sprachstil. Er ist Ausfluss eines individuellen Denk- und Arbeitsprozesses, der sich während des Schreibens vollzieht. Heben Sie schlechten Stil, wo es notwendig ist, aber lassen Sie immer auch der persönlichen Note des jeweiligen Autors Raum.

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5. In der Kürze liegt die Würze. Auch der wohlformulierteste, grammatikalisch noch so präzise, klangvoll-inhaltschwere Satz kann für den Leser (und den Redakteur) zu einer regelrechten Tortur werden, wenn er schlicht zu lang und zu verschachtelt daherkommt. Teilen Sie auf und kürzen Sie, wo es möglich ist. Die Bereitschaft, einen Satz drei bis vier Mal zu "studieren", bevor man ihn vollends versteht, nimmt gerade im "Digitalen Zeitalter" rapide ab. Gleiches gilt für die Akzeptanz von Beiträgen, die schlicht zu lang und in Teilen redundant sind.

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6. Der Leser muss immer im Vordergrund stehen. Zumeist ist er selbst kein Spezialist, bei weitem nicht immer Fachmann, oft sogar Laie. Ihm müssen die wissenschaftlichen Inhalte verstehbar, ja bisweilen zunächst einmal schmackhaft gemacht werden. Darin besteht eine Kernaufgabe der redaktionellen Arbeit und hierfür gilt es die Autoren eindringlich zu sensibilisieren. Was aus der Perspektive des Lesers nicht klar ersichtlich wird, gehört schlichtweg nicht in den Text!

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7. "Misstrauen" ist ausdrücklich erwünscht. Ob Seitenangaben, Jahresdaten, Namensschreibweisen oder auch inhaltliche "Fakten", sollte Ihnen beim Lesen bzw. Redigieren etwas merkwürdig vorkommen, dann überprüfen Sie es! Das Internet gibt Ihnen weitreichende Möglichkeiten dazu an die Hand. Falls solche Recherchen zu zeitaufwendig werden oder sich aus anderen Gründen erübrigen, merken Sie zumindest Ihre "Zweifel" gegenüber dem Autor an. Oft reicht dazu schlicht das Setzen eines Fragezeichens. Der Autor wird Ihnen überaus dankbar für das Tilgen von Fehlern und Unstimmigkeiten sein, die Sie auf diese Weise entdecken.

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8. Gesittet, unabhängig und neutral. Über die unbedingte Einhaltung dieser drei Grundsätze hat jeder wissenschaftliche Redakteur streng zu wachen. Diffamierende oder diskreditierende Äußerungen, Verletzungen der Persönlichkeitsrechte, politische Statements, religiöse Färbungen, Polemiken, Sarkasmus, kommerzielle Interessen – diese Dinge haben in wissenschaftlichen Beiträgen nichts verloren!

Empfohlene Zitierweise
Florian Schönfuß, Praxis Online-Redaktion: Einige Grundsätze redaktioneller Praxis, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/praxis-online-redaktion/arbeiten-am-text/grundsaetze/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 24.01.2017