Praxis Online-Redaktion

Korrekturfahnenversand und Imprimatureinholung

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Das "Imprimatur" ("Es werde gedruckt") bezeichnet die Druckerlaubnis. Da online publizierte Texte in ihrer "Endgültigkeit" und prinzipiellen Unveränderlichkeit (von einigen kollektiv verfassten Spezialformaten abgesehen, die Aktualisierungen ausdrücklich gestatten) Druckwerken publikationsrechtlich vollkommen gleichrangig sind, müsste in ihrem Falle eigentlich präziser von der "Freischaltungs- oder Uploaderlaubnis" gesprochen werden. Gemeint ist in beiden Fällen letztlich das "ausdrückliche Einverständnis zur Publikation in der vorliegenden Form". Kein Text, und sei er noch so kurz und "unbedeutend", darf ohne das Imprimatur seines Autors veröffentlicht werden! Andernfalls stehen dem auf diese Weise "geschädigten" Autor weitreichende rechtliche Instrumentarien zur Verfügung, mithilfe derer er potenziell ohne Weiteres Geldbußen und Entschädigungszahlungen, zumindest aber die einstweilige Verfügung zur sofortigen Einstampfung bereits gedruckter Ausgaben und/oder entsprechenden Erratierung neu zu produzierender bzw. bei Online-Publikationen zur Löschung/Abänderung der elektronischen Version durchsetzen kann. Wer vor einer Veröffentlichung bewusst auf das Einholen des Imprimaturs bzw. den Versand von Korrekturfahnen verzichtet, der handelt unprofessionell, unseriös und rechtswidrig!

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Als wissenschaftlicher Redakteur, erst Recht als Herausgeber, sollten Sie sich stets absichern und das Imprimatur zu jedem Text einholen. E-Mails, über welche dieses in aller Regel erteilt wird, sollten unbedingt ausgedruckt und archiviert werden. Immer wieder werden Sie als Redakteur zudem die Erfahrung machen, dass sich Autoren auf die Korrekturfahnen bzw. die Bitte um Erteilung des Imprimaturs auch nach wiederholten Folgemails und Anrufen nicht oder für die Publikation viel zu spät melden. Doch auch für diese Fälle gibt es einen gangbaren Weg: Nennen Sie dem Autor einen Termin, nach dessen Verstreichen – mindestens zwei bis drei Wochen sollte er Zeit bekommen – Sie vom "stillschweigenden Imprimatur" ausgehen. Zur weiteren Absicherung wählen Sie beim E-Mail-Versand die Option "Lesebestätigung anfordern". Natürlich hat dies rein rechtlich nicht die Qualität eines Einschreiben-Rückscheins. Aber Sie haben gegebenenfalls eine ganze Reihe "harter Argumente" in der Hand.

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Korrekturfahnen stellen die vorläufige Endversion eines zu publizierenden Textes dar. Sie geben dem Autor eine letzte Gelegenheit, alles nochmals zu prüfen und sich zu vergewissern, dass der Text auch seinen Wünschen und Vorstellungen entspricht. Ist dem (noch) nicht so, kann er die Erteilung seines Imprimaturs an die Bedingung knüpfen, noch diese oder jene Änderung am Text vorzunehmen. Nachdem bereits eine professionelle, intensive und sorgfältige Redaktion erfolgt ist, sollte sich dies allerdings auf das Notwendigste beschränken. Zahlendreher, Kommafehler, falsche Seitenangaben, fehlende Leerzeichen, Formatierungsfehler et cetera sollen auf diesem Wege ausgeschlossen bzw. auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Das Verändern ganzer Textabschnitte, das Einfügen zahlreicher neuer Fußnoten oder die Streichung ganzer Passagen sollten hingegen tabu sein. Letztlich muss jedoch jede Redaktion selbst entscheiden, wie viel Spielraum sie den Autoren hier noch lässt, wie viel Zeit und Arbeit sie kurz vor dem Publikationstermin noch investieren kann.

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Um zu verhindern, dass die Autoren mehr als das Notwendigste verändern oder gar Änderungen am Text vornehmen, ohne den Redakteur davon zu informieren – auf diesem Wege sich einschleichende Fehler fallen dem Redakteur zur Last – sollten die Korrekturfahnen als "unveränderliche" Formate (nie als Word-Dateien!), am besten entweder als PDF-Dateien im Anhang der E-Mail, oder, so dies technisch möglich ist, als Online-Korrekturfahnen über eine passwortgeschützte Testumgebung des Servers vermittelt werden. In letzterem Falle darf das jeweilige Passwort selbstredend allein dem Autor zur Verfügung stehen bzw. diesen allein auf seinen Text, nicht aber auf die Korrekturfahnen zu Beiträgen anderer Autoren führen.

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 Eine standardisierte Korrekturfahnen/Imprimatur-Mail könnte wie folgt lauten:

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"Sehr geehrte(r) Herr/Frau XYZ,

 in der angehängten PDF-Datei/über folgenden Link (Ihr Passwort: DFG123456) erhalten Sie die Korrekturfahnen zu Ihrem Beitrag HIJ. Wir möchten Sie bitten, den Text nochmals gründlich zu überprüfen und uns eventuell notwendige Korrekturen mitzuteilen. Umfangreichere Änderungs- oder Ergänzungswünsche über das Notwendigste hinaus können in diesem Stadium freilich nicht mehr berücksichtigt werden.

Auf gegebener Textgrundlage bitten wir Sie hiermit um Erteilung Ihrer uneingeschränkten Einverständniserklärung zur Publikation (Imprimatur). Sollten wir bis zum XX.YY.ZZZZ nichts Gegenteiliges von Ihnen hören, gehen wir von Ihrem stillschweigenden Imprimatur aus und werden den Text in abgebildeter Form publizieren bzw. online stellen.

Bei Fragen aller Art wenden Sie sich bitte jederzeit an uns!

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Redaktion ABC"

Empfohlene Zitierweise
Florian Schönfuß, Praxis Online-Redaktion: Korrekturfahnenversand und Imprimatureinholung, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/praxis-online-redaktion/autorenbetreuung/korrekturfahnen/?L=1 (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 24.01.2017