Praxis Online-Redaktion

Die VG-Wort

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Gegenüber einem Verlag oder einer Online-Publikationsplattform vergibt der Autor lediglich das Erstverwertungsrecht, während das Zweit- und Drittverwertungsrecht von der Verwertungsgesellschaft Wort stellvertretend und treuhänderisch für ihn wahrgenommen wird. Sie erhebt Tantiemen, die dem Urheber eines Werks, aber auch Verlegern oder Übersetzern, rechtlich zustehen, da dieses, durch Einsichtnahme in einer Bibliothek, Fotokopien und Fotographien, PC-Scans, Vorträge usw. von der Öffentlichkeit genutzt wird bzw. werden kann. Die VG-Wort ist im Grunde also eine Interessenwahrnehmungsgesellschaft aller literarisch, künstlerisch, journalistisch, und eben auch wissenschaftlich schöpferisch Tätigen. Als solche ist sie staatlich anerkannt und vollends rechtsfähig.

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Die VG-Wort erhebt eine Pauschalabgabe auf alle Geräte, die urheberrechtlich geschützte Werke in irgendeiner Form vervielfältigen können (Kopierer, Scanner, Drucker, Papierfabrikation, Kameras et cetera), dazu kommen Abgaben von Bibliotheken, Videotheken, Lesezirkeln und anderem mehr. Den Erlös, abzüglich vor allem der eigenen Verwaltungs- und Personalkosten, schüttet sie regelmäßig nach einem komplizierten, sich laufend ändernden Verteilungsschlüssel an die Urheber und Verleger aus – das heißt also auch an jeden, der wissenschaftlich publiziert. Um an den Ausschüttungen teilzuhaben, muss der jeweilige Werksurheber allerdings bei der VG-Wort als solcher registriert sein. Dies kann er postalisch per Formular, wesentlich einfacher auch im Online-Meldeverfahren (www.vgwort.de) erledigen. Allerdings sollte er damit nicht zu lange warten, denn Monographien können nur bis zu drei Jahre nach Erstveröffentlichung, alle anderen Beiträge lediglich zwei Jahre nach Erscheinen gemeldet werden. Als Herausgeber können Sie ein Werk nur dann unter Ihrem Namen registrieren lassen, wenn es Beiträge mehr als drei verschiedener Autoren enthält. Darüber hinaus gilt für alle Print-Publikationen ein Mindestumfang von 3.000 Zeichen (ohne Leerschläge), Online-Publikationen müssen mindestens 1.800 Zeichen (ohne Leerschläge) umfassen und dürfen nicht kopier- bzw. passwortgeschützt sein. Auch Beiträge in Blogs können unter diesen Bedingungen gemeldet werden. Die Ausschüttung erfolgt in der Regel mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, da alle gemeldeten Werke freilich erst überprüft werden müssen.

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Leider ist die Meldung von Online-Texten bei der VG-Wort recht kompliziert und an gewisse Voraussetzungen seitens der Publikationsplattform gebunden. Sie erfolgt über das "Meldesystem für Texte auf Internetseiten" (METIS). So muss – im Gegensatz zu Print-Publikationen – eine Mindestzugriffszahl von 1.500 Seitenaufrufen im Jahr (bei merklich höheren Zugriffszahlen steigt die Ausschüttung je nach erreichtem Schwellenwert) nachgewiesen werden. Dies ist an sich bereits eine spürbare Schlechterstellung von Online-Publikationen gegenüber Print-Publikationen.

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Das eigentliche Problem besteht jedoch in der Art und Weise, auf die der Beweis über die erreichte Mindestzugriffszahl zu erbringen ist, denn diese muss eigens mithilfe eines "Zählpixels" nachgewiesen werden. Zählpixel sind sehr kleine, oft "unsichtbare" Graphiken, die eine Logdateianalyse vornehmen, also den Aufruf der jeweiligen Webseite nicht nur registrieren, sondern auch die IP-Adresse und ein Bewegungsprofil des Nutzers erstellen. Sie sind datenrechtlich deshalb umstritten. Für den Betreiber einer Online-Publikationsplattform besonders ärgerlich ist jedoch, dass Zählpixel eigens in den Quellcode der Webseite eingefügt werden müssen. Neben gewissen Sicherheitsrisiken ist der Aufwand, dies zu bewerkstelligen, sehr hoch. Gerade deshalb verzichten viele Online-Portale auf die Applikation von Zählpixeln, was die dort publizierenden Autoren um ihre Tantiemen bringt. Doch immerhin nehmen sie, so sie ihre Texte bei der VG-Wort melden, zur Kompensation an Sonderausschüttungen teil, auch wenn diese vergleichsweise geringer ausfallen. Eine Änderung des Meldesystems der VG-Wort für Online-Publikationen ist bisher leider nicht in Sicht.

Empfohlene Zitierweise
Florian Schönfuß, Praxis Online-Redaktion: Die VG-Wort, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/praxis-online-redaktion/autorenbetreuung/vg-wort/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 24.01.2017