Praxis Online-Redaktion

Bildmaterial, Quellendigitalisate, Audio- und Videostreams

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Ganze Galerien umfangreichen und hochauflösenden Bild- und Kartenmaterials, Digitalisate ausgewerteter Quellen oder edierter Archivalien, Sequenzen historischer Filme, Audiomitschnitte von Interviews oder Radiosendungen, Videostreams von Panels (Podiumsdiskussionen) oder ganzen Konferenzen, Audiodateien mit der Interpretation historischen Notenmaterials, korrekt ausgesprochenem Vokabular indigener Sprachen und noch vieles mehr kann ohne größeren technischen Aufwand jeder elektronischen Publikation beigefügt werden. Die mannigfachen Vorzüge des Publikationsmediums Internet kommen hier zum Tragen. Gerade für Publikationen mit zahlreichen farbigen Abbildungen, welche die Kosten für eine Print-Veröffentlichung in die Höhe schnellen lassen würden, ist das E-Publishing oft nicht mehr nur eine Alternative, sondern die einzige noch verbleibende Publikationsmöglichkeit. In aller Regel müssen diese multimedialen Beigaben jedoch von der technischen Redaktion noch bearbeitet werden, bevor sie ins Content-Management-System eingespeist werden können. Audio- und Videostreams dürfen meist einen gewissen Datenumfang nicht überschreiten und müssen in ein und demselben Format bzw. Dateityp vorliegen, Bilddateien müssen auf eine bestimmte Auflösung gebracht werden usw.

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Von größter Wichtigkeit in puncto Abbildungen ist, dass diese als gesonderte Dateien (JPEG oder GIF) eingereicht werden. Diese sollten zudem in höchstmöglicher Auflösung an die Redaktion gereicht werden, sodass noch genug Spielraum für eine Bearbeitung bleibt. Eine Einbindung der Bilddateien durch den Autor direkt in den Fließtext verursacht zumeist Probleme (Dateiformate, Auflösung, Formatvorlagen). Der Autor muss allerdings unbedingt die genaue Reihenfolge und Position angeben, in bzw. an der die Abbildungen im Text erscheinen sollen. Jede Abbildung muss mit einer Bildunterschrift versehen sein, die, nach Möglichkeit, Aufschluss über den Künstler oder Fotographen, den Titel oder die Bezeichnung, das Jahr der Anfertigung bzw. Aufnahme, den gegenwärtigen Ausstellungs- oder Aufbewahrungsort, die verwendeten Materialien und Techniken, den derzeitigen Besitzer sowie (ganz wichtig!) die Bildrechte gibt. Demnach sieht eine vollständige Bildunterschrift beispielhaft wie folgt aus:

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Abb. 3: Erwin de Nussbach, Pferde im Schnee (Öl auf Leinwand, 1767, Staatliches Museum Schloss Mosigkau, ©Kulturstiftung Dessau Wörlitz).

Oder bei Fotographien beispielsweise:

Abb. 7: Schloss Schönhausen, Hofseite, Ausstellungshaus (unbekannter Fotograph um 1936, ©Bundesarchiv Berlin).

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Die vollständige Einholung der Bildrechte – und zwar ausdrücklich für eine Verbreitung im Internet – ist von allergrößter Wichtigkeit. Klären Sie im Vorfeld genau, wer der Urheber eines Bildes ist bzw. die Rechte innehat. Grundsätzlich gilt, dass der Schöpfer bzw. Fotograph, der Eigentümer und/oder Besitzer (man denke etwa an Leihgaben innerhalb eines öffentlichen Museums) sowie alle erkennbar abgebildeten, noch lebenden Personen um Erlaubnis gefragt werden müssen, bevor eine Abbildung veröffentlicht werden darf. Und eben diese Einverständniserklärung muss deutlich erkennbar anhand der Bildunterschriften indiziert werden.

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Audio- und Videostreams sollten natürlich genauso wenig völlig unvermittelt im Text oder neben dem Text auftauchen. Eine kurze "Anmoderation" durch einen aus dem OFF gesprochenen Text ist ebenfalls anzuraten. Auch Audio-/Videostreams sollten von Autorenseite zumindest eine kurze schriftliche Erläuterung erhalten. Rechtliche Belange müssen auch hier stets im Blick behalten werden. So müssen etwa jegliche Personen, die in einem Videostream auftauchen bzw. erkennbar sind, vor der Aufnahme informiert und um ihre ausdrückliche Erlaubnis gebeten werden. Und auch an historischem oder wissenschaftlichem Film- und Tonmaterial können selbstverständlich Verwertungsrechte Dritter bestehen, die es im Vorhinein abzuklären gilt. Die Auflösung und Wiedergabequalität entsprechender Streams sollte einerseits natürlich möglichst hoch sein, doch andererseits auch die Internetleitungen des "Standard-Users" nicht überfordern.

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Was bei Abbildungen die Bildunterschrift, ist bei Quellendigitalisaten die Angabe der vollständigen Archivsignatur. Desweiteren empfiehlt es sich, diese mit einem eigens anzulegenden Verzeichnis aller in der Publikation digitalisierter Archivalien zu verlinken, gegebenenfalls auch mit ihrer jeweiligen Zitation in an gleicher Stelle publizierten Textbeiträgen. Insbesondere für alte Handschriften sollten nur hochauflösende Scans gewählt werden, für deren Anfertigung zumeist Spezialgeräte und -software benötigt werden. Gleiches gilt für Scans von historischem Kartenmaterial, Drucken, Holzschnitten, Kupferstichen, Radierungen et cetera.

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All die technischen Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter mit Blick auf Einbindungsmöglichkeiten multimedialer Ergänzungen und kostengünstiger Bildeinbettung dem wissenschaftlichen Autor an die Hand gibt, verführen letzteren bisweilen jedoch leider auch dazu, es damit zu übertreiben. Unmengen von farbigen Abbildungen, Quellendigitalisate oder Videostreams ohne wirklichen Bezug auf den Fließtext, ohne erkennbaren Mehr- oder zusätzlichen Erläuterungswert schaden einer Publikation eher, als dass sie diese aufwerten. Die Gefahr der Reizüberflutung des Lesers lauert hier beständig. Deshalb sollte der wissenschaftliche Redakteur auch diesbezüglich stets auf das rechte Maß achten.

Empfohlene Zitierweise
Florian Schönfuß, Praxis Online-Redaktion: Bildmaterial, Quellendigitalisate, Audio- und Videostreams, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/praxis-online-redaktion/textverwaltung/multimediadateien/?L=0 (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 24.01.2017