Deutschösterreichische Studenten im akademischen Kulturkampf 1859-1914

Der akademische Kulturtransfer

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Es war vor allem der Kulturtransfer durch Studenten der deutschen Universitäten, die ihre österreichischen Kommilitonen mit den Sitten und Gepflogenheiten des Burschenlebens vertraut machten und so die Grundlage des Korporationswesens dort schufen. Auf diesem Weg blühte auch südlich des Inn das nach Regelwerken, dem Comment, organisierte gemeinsame Trinken und Fechten, das Mensurwesen, auf. Auch die schon erwähnten großdeutschen Bestrebungen der frühen Burschenschaften an den Hochschulen des südlichen deutschen Sprachraumes gehen auf den Austausch mit den ab 1871 so genannten „Reichsdeutschen“ zurück.

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In Graz und Wien finden sich Nachweise darüber seit 1865. [1] Aber auch Aufenthalte in Norddeutschland trugen zur Adaption der Sitten bei. So pflegte der Angehörige der Wiener Burschenschaft Silesia und spätere deutschnationale Politiker Armand von Dumreicher, der bereits im Herbst 1863 nach Göttingen ging, dort regen Kontakt zur örtlichen Burschenschaft Brunsviga. Dies führte unweigerlich zur stärkeren Übernahme von burschenschaftlichen Bräuchen und entsprechender Ansichten innerhalb der Silesia. [2] So wird auch die schon erwähnte betont borussophile Haltung des Bundes 1866 klar.

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Wie erfolgreich sich insbesondere die Burschenschaften in Österreich etablieren konnten, lässt sich an folgenden Zahlen ablesen: 1891 gab es allein in Wien bereits neun Burschenschaften mit durchschnittlich zehn studierenden Mitgliedern. In Prag waren es deren drei mit elf bis 13 Aktiven, wie die studierenden Mitglieder auch genannt werden. [3]

Anmerkungen

[1] Bayer, Richard: Das studentische Leben und die Korporationen in Graz. In: Einst und Jetzt, Band 27, 1982. S. 47-65. S. 56.

[2] Bilger, Ferdinand: Die Wiener Burschenschaft Silesia von 1860-1870 und ihre Bedeutung für die Anfänge der deutsch-nationalen Bewegung in Österreich. Heidelberg 1911. S. 20-23.

[3] Holzinger, Roderich (Arminia Brünn): Vor zwanzig Jahren. In: Wartburg. 13. Jg. Heft 2. Februar (Hornung) 1912. S. 35-37. S. 37.

Empfohlene Zitierweise
Alexander Graf, Deutschösterreichische Studenten im akademischen Kulturkampf 1859-1914: Der akademische Kulturtransfer, aus: Andreas Speer, Andreas Berger (Hg.), Studentengeschichte zwischen Mittelalter und Neuzeit, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/epublished/studentengeschichte/deutschoesterreich-1859-1914-akademischer-kulturkampf/akademischer-kulturtransfer/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 18.03.2015

Zuletzt geändert: 22.05.2015