Leitfaden für das Studium der Mittelalterlichen Geschichte

Beispiel für eine Urkundenedition in den MGH

[Aus: Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser 10: Die Urkunden Friedrichs I. (Friderici I Diplomata), Teil 2: 1158–1167, bearb. von Heinrich Appelt (MGH Diplomata 10.2), Hannover 1979, Nr. 445, S. 344f. – Link zum Digitalisat: http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_DD_F_I_2_S._344.]

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eine exemplarische Edition einer Urkunde Friedrichs I. in den MGH

Die abgebildete MGH-Urkundenedition dokumentiert eine in Oberitalien erfolgte Schenkung Kaiser Friedrich Barbarossas an seinen Kanzler Rainald von Dassel – zwei Tage, ehe Rainald mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige aus Mailand nach Köln abreiste. Von den berühmten Reliquien ist allerdings in dieser Urkunde keine Rede, wie Sie der Übersetzung unten ent­neh­men können. Diese soll den im Lateinischen nicht ganz Sattelfesten unter Ihnen ermöglichen, jene Bestandteile aus dem Idealschema nachzuvollziehen, die in dieser Urkunde vorhanden sind.

In nomine sanctę et indivuduę trinitatis. Fredericus divina favente clementia Roma­norum imper[ator et] semper augustus.     

Consueta imperialis nostrę celsitudinis mu­nificentia suavissime nos invitavit, ut fide­lium multitudinem laudabilem serviti­orum benigne declaremus congrua multi­plicatio­ne beneficiorum. Ideoque presenti nostrę maiestatis edicto  universis sacri imperii nostri fidelibus presentibus ac futuris not­um facimus, quod carissimi principi nostro Rainaldo illustri Coloniensi electo et Italię archicancellario pro immensis et innumera­bilibus servitiis, que nostrę  sublimitati ex­cellenter impendit, in beneficio atque in feodo damus, concedi­mus et inviolabiliter  confirmamus locum de Raga et villas ac castella in circuitu eiusdem loci constituta, quorum  hec sunt nomina: Arcunate, Euerun, Cugion, Brunia, castellum inferius Paternianum, Trabiga, Nussa, Castanum, Magniaga, Bustucauum, Bustarsicium et villas alias, quecumque Buste vocantur, cum toto districtu, fodro, albergariis et om­ni iure in prefatis omnibus castellis seu vil­lis nobis pertinente. Insuper etiam ei augu­stali nostra liberalitate largimur atque do­namus et confirmamus in alia ripa Tycini fluvii universum districtum, fodrum, alber­garias et omnem nostram iustitiam, quam habere dinosci­mur in Treca et eius curte, in Galliate ac sua curte, Mummum quoque cum universa curte sua et Castellittum su­perius cum omnibus ibidem ad nos perti­nentibus ac pre[terea qu]i[cqu]idb) nostri iu­ris est in Trunciano infra episcopatum Ver­cellensem constituto, et insuper ei conce­dimus omnes villas et castella plebis de Ragna, et qua sunt alia preter suprascripta. Statuimus etiam et irrefragabiliter sancti­mus, ut nulla unquam ecclesiastica vel se­cularis maior minorve persona in his eum audeat gravare vel irrationabiliter fatigare, sed ipse cum omni honore et universo iure, quod in his habere dinoscimur, ea quiete obtineat ac pacifice possideat. Utque verius hoc credatur et á cunctis diligentius obser­ve­tur, presentem paginam in memoriam ac confirmationem huius donationis conscrip­tam manu propria roborantes sigillo nostro certiorari iussimus et insigniri adhibitis te­stibus Cristiano imperialis curię nostrę can­cellario, Aloldo Goslariensi preposito et aliis quam pluribus, qui, ubi prefatum R(ainaldum) illustrem Coloniensem elec­tum de feodo supradicto investivimus, pre­sentes affuerunt.

Data Papię V yd. iun., anno dominicę incarnationis M°C°LX°IIII°, in­dic­tione XIIa, imperante domino Frederico Roman­orum  imperatore invictissimo, anno regni eius XIII°, imperii VIIII°; in dei nomine feliciter amen.

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Friedrich, durch Gottes begünstigende Gnade allzeit erhabener Kaiser der Römer.

Die für Unsere kaiserliche Erhabenheit übliche Freigebigkeit macht uns geneigt, einer lobenswerten Fülle getreuer Dienstleistungen wohlwollend zu begegnen. Daher wollen Wir durch diese gegenwärtige Verlaut­barung Unserer Majestät allen Unseren gegenwärtigen und künftigen Getreuen im Heiligen Reich kundtun, dass Wir Unserem sehr lieben Fürsten Rainald, dem hochberühmten erwählten [Erzbischof] von Köln und Erzkanzler von Italien, für die enormen und unzählbaren Dienste, die er Unserer Erhabenheit in hervorragender Weise erwiesen hat, [Folgendes] zu Lehen geben, einräumen und unverletzlich bestätigen: Den Ort Ragna und die Güter und Burgen in der Umgebung dieses Ortes, deren Namen lauten: Arcunate, Everun, Cugion, Brunia, die Burg unter Paternianum, Trabiga, Nussa, Castanum, Magniaga, Bustucavum, Bustarsicium und andere Güter, die Buste genannt werden, mit ihrem ganzen Einzugs­gebiet, der Heersteuer, den Herbergsrechten und allen Rechten in allen vorgenannten Burgen oder Gütern, die uns gehören. Das vermehren wir ihm darüber hinaus noch aus Unserer kaiserlichen Freigebigkeit heraus und schenken und bestätigen ihm am jenseitigen Ufer des Flusses Ticino das ganze Einzugsgebiet, die Heersteuer, Herbergsrechte und alle unsere Gerechtsame, die Wir bekanntermaßen besitzen in Trecate und seinem Hof, in Galliate und seinem Hof, auch Torre de Mommo und seinem ganzen Hof, und das obere Castelletto mit allem, was Uns dort gehört, und darüber hinaus alles, was Unseren Rechtes ist in Tronzano, gelegen im Bistum Vercelli, und darüber hinaus geben Wir ihm alle Güter und Volksburgen von Ragna und anderswo über die oben [ausdrücklich] genannten hinaus. Auch setzen Wir fest und verfügen unverbrüchlich, dass niemals eine kirchliche oder weltliche Person, sie sei hoch oder gering, sich herausnehmen soll, ihn diesbezüglich zu beschweren oder unrechtmäßig zu belästigen, sondern er soll [das alles] mit allem Zubehör und den umfangreichen Rechten, die er diesbezüglich hat, in Ruhe innehaben und in Frieden besitzen. Und damit das um so fester geglaubt und von allen um so eifriger beachtet werde, habe ich dieses zum Gedächtnis und zur Bestätigung dieser Schenkung  niedergeschriebene Blatt mit eigener Hand bekräftigt und befohlen, es mit einem Siegel noch sicherer zu machen und auszuzeichnen durch die Beiziehung von Zeugen: von Christian, dem Kanzler Unseres kaiserlichen Hofes, dem Goslarer Propst Adelhoh und anderen mehr, die persönlich anwesend waren, als wir den vorgenannten Rainald, den hochberühmten Elekten von Köln, mit dem obengenannten Lehen investierten.

Gegeben zu Pavia, an den fünften Iden des Juni, im Jahr 1164 der Fleischwerdung des Herrn, in der zwölften Indiktion, unter der Herrschaft des unbesiegbaren Friedrich, Kaiser der Römer, im dreizehnten Jahr seiner Königsherrschaft, im neunten aber seines Kaisertums, im Namen Gottes. Heil und Segen. Amen.

Empfohlene Zitierweise
Anja Ute Blode, Nina Kühnle, Dominik Waßenhoven, Leitfaden für das Studium der Mittelalterlichen Geschichte: Beispiel für eine Urkundenedition in der MGH, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/leitfaden-mittelalter/diplomatik/beispiel/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 17.03.2015

Zuletzt geändert: 22.05.2015