Leitfaden für das Studium der Mittelalterlichen Geschichte

Quellenverzeichnisse

Repertorium fontium medii aevi

Das bislang umfangreichste abgeschlossene Verzeichnis mittelalterlicher Quellen ist das von einem internationalen Verbund erarbeitete und in Latein verfasste

    Repertorium fontium historiae medii aevi. Bd. 1: Series collectionum. Bde. 2–11: Fontes. A–Z, Rom 1962–2007. [Signatur: Ae 41/5]

Es deckt den Zeitraum von ca. 375–1500 n. Chr. ab und liefert Informationen zu Autor und Werk, zur Überlieferung sowie zu Editionen, Übersetzungen und Darstellungen.

Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters

Die von der bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ sind ein weitergeführter deutschsprachiger Auszug aus dem „Repertorium fontium historiae medii aevi“, der online zur Verfügung steht. Wie ihre Vorlage enthält auch diese Quellenbibliographie mit einem Berichtszeitraum von ca. 375–1500 n. Chr. knappe Informationen zu Autor und Werk, zur Überlieferung sowie zu Editionen, Übersetzungen und Darstellungen und berücksichtigt dabei als geographischen Raum das deutsche Reich des Mittelalters. http://www.geschichtsquellen.de/  

BEISPIEL:

Gesta Federici I imperatoris in Lombardia

früher „Annales Mediolanenses maiores“, jetzt auch „Narratio de Longobardie obpressione et subiectione“ genannt. Ausführliche Darstellung der Italienpolitik Ks. Friedrichs I. Barbarossa seit 1154; verfaßt von einem anonymen Autor aus Mailand (Lombardia) zunächst 1162/63 nach der Zerstörung der Stadt, dann weitergeführt bis 1168 mit einigen Nachträgen bis 1177. Der Verfasser war offenbar Laie, wahrscheinlich Notar; die Schrift verteidigt die Rechtsposition Mailands gegen das Vorgehen des Kaisers. Erhalten sind lediglich zwei spätere Bearbeitungen des Texts: der „Libellus tristitiae et doloris, angustiae et tribulationis, passionum et tormentorum“ des Iohannes Codagnellus, q.v., und die Fassung der Mailänder Handschrift. Diese Bearbeitung stammt laut Kolophon von einem „Sire Raul“, den man früher für den Autor der Gesta gehalten hat.

Mss. v. Edd. HOLDER-EGGER, pp. 7-9; v. Comm. BUSCH (1997), pp. 55-56 n. 94. Milano, Bibl. naz. Braidense, AF. IX. 30, ff. 10r-30r, saec. xvii.

Edd. in Muratori, R.I.S., 6 (1725) 1173-1193, unter dem Titel Sire Raul sive Radulphi Mediolanensis de rebus gestis Friderici I commentarius; G. H. PERTZ, in  M.G.H., SS., 18 (1863) 359-378, vermengt mit der Fassung des Iohannes Codagnellus unter dem Titel Annales Mediolanenses maiores, pp. 381-382, Nachträge zu den Jahren 1201, 1202, 1230; O. HOLDER-EGGER, in M.G.H., Script. rer. Germ., [27] (1892) 14-64, zusammen mit der Fassung des Iohannes Codagnellus im Paralleldruck, pp. 65-66 die Nachträge zu den

Jahren 1201, 1202, 1230; F.-J SCHMALE, Italische Quellen über die Taten Kaiser Friedrichs I. in Italien und der Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I., in Ausgew. Quell., 17a (1986) 240-294, unter dem Titel „Narratio“, mit dt. Übers.

Transl. D e u t s c h: v. Edd. SCHMALE, parallel zum lat. Text. I t a l i e n i s c h: P. ARIATTA, Le imprese  dell’imperato re Federico in Lombardia, in Il Barbarossa in Lombardia. Comuni ed imperatore nelle cronache contemporanee, cur. F. CARDINI – G. ANDENNA – P. ARIATTA, Novara 1987, pp. 159-189.

Comm. v. Edd. MURATORI, pp. 1169-1171; W. Giese­brecht, Zur mailändischen Geschichtsschreibung im zwölften und dreizehnten Jahrhundert, «Forsch. dt. Gesch.» 21 (1881) 301-316; O. HOLDER-EGGER, Ueber die historischen Werke des Johannes Codagnellus von Piacenza, «N. Arch.» 16 (1890) 265-279; v. Edd. HOLDER-EGGER, pp. 5-12; WATTENBACH, II (1894 6) 323-324; v. Edd. SCHMALE, pp. 14-17 ; J. W. BUSCH, Die Mailänder Geschichtsschreibung zwischen Arnulf und Galvaneus Flamma. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit im Umfeld einer oberitalienischen Kommune vom späten 11. bis zum frühen 14. Jahrhundert, in Münstersche Mittelalter-Schriften, 72, München 1997, pp. 51-69, 133-143, 244-253 und passim; J. W. BUSCH, Sulle tracce dalla memoria comunale di Milano. Le opere dei laici del XII e XIII secolo nel „Manipulus florum“ di Galvano Fiamma, in Le cronache medievali di Milano, cur. P. CHIESA, Milano 2001, pp. 79-88.

Legende: Edd. = Editionen | Comm. = Literatur | Mss. = Manuskripte | Transl. = Übersetzungen

Online unter: http://www.geschichtsquellen.de/repOpus_02453.html (zuletzt eingesehen am 11.3.2015).

Medioevo latino (MEL)

Der „Medioevo latino“ (MEL) ist die derzeit umfangreichste Suchmöglichkeit für neue Quelleneditionen und aktuelle Literatur, die in gedruckter Form seit 1980 jährlich erscheint.

    Medioevo latino. Bolletino bibliografico della cultura Europea da Boezio a Erasmo (secoli VI–XV), hg. von der Società Internazionale per lo Studio del Medioevo Latino (S.I.S.M.E.L.), Florenz 1980ff.

Häufig sind die Einträge mit kurzen Rezensionen versehen, so dass Sie sich schon einen Überblick über den Inhalt machen können, ohne das Buch selbst in die Hand nehmen zu müssen. Der Umgang mit dem MEL schreckt auf den ersten Blick oft ab, da die Bibliographie in italienischer Sprache erscheint. Das Online-Tutorium der Uni Tübingen bietet aber einen Abschnitt, der Ihnen den Umgang mit diesem Hilfsmittel erschließt – auch wenn Sie keine Italienischkenntnisse haben.

 

Weitere Quellenverzeichnisse

Das im Jahr 2000 begonnene Projekt „Compendium Auctorum Latinorum Medii Aevi (C.A.L.M.A.)“ verzeichnet lateinische Autoren des Mittelalters (500–1500), beschränkt sich dabei aber nicht allein auf historische Quellen. Geordnet nach Autoren, listet es Editionen, Übersetzungen und Literatur zu den einzelnen Werken auf.

    Compendium Auctorum Latinorum Medii Aevi (C.A.L.M.A.) (500–1500), hg. von der Società Inernazionale per lo Studio del Medioevo Latino (S.I.S.M.E.L.), Florenz 2000ff.

Das von János M. Bak erstellte Werk „Mittelalterliche Geschichtsquellen in chronologischer Übersicht“ ist eine handliche tabellarische Zusammenstellung vor allem erzählender Quellen des Mittelalters. Sie ist chronologisch gegliedert und verweist in knapper Form auf die maßgeblichen Editionen sowie gegebenenfalls vorhandene Übersetzungen.

    Bak, János M.: Mittelalterliche Geschichtsquellen in chronologischer Übersicht. Nebst einer Auswahl von Briefsammlungen, Stuttgart 1987. [Signatur: Aa 22/2 (Raum 301)]

Die „Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis“ (BHL) und ihre 1986 erschienene Ergänzung verzeichnen, geordnet nach Heiligennamen, hagiographische Texte mit Informationen zu Handschriften und Editionen.

    Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis, ed. Socii Bollandiani (Subsidia hagiographica 6), 2 Bde., Brüssel 1898–1901.
    Bibliotheca Hagiographica Latina antiquae et mediae aetatis novum supplementum, hg. von Henricus Fros (Subsidia hagiographica 70), Brüssel 1986. [Signatur: Ae 17]

Die hinter den Literaturangaben in eckigen Klammern befindlichen Signaturen beziehen sich – soweit nichts anderes angegeben ist – auf die Bibliothek für Mittlere und Neuere Geschichte des Historischen Instituts der Universität zu Köln.

Empfohlene Zitierweise
Anja Ute Blode, Nina Kühnle, Dominik Waßenhoven, Leitfaden für das Studium der Mittelalterlichen Geschichte: Quellenverzeichnisse, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/leitfaden-mittelalter/quellenrecherche/quellenverzeichnisse/?L=1 (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 17.03.2015

Zuletzt geändert: 21.03.2016