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Schriftsatz

Andreas Hartmann

Im Hinblick auf die Verwendung altgriechischer Zeichensätze ist für den Althistoriker die Frage der Unicode-Unterstützung zentral: Unicode ist eine standardisierte Codepage, die idealerweise jedem denkbaren Schriftzeichen einen eindeutigen numerischen Wert zuordnet (http://www.unicode.org). Dies bringt gegenüber den älteren, auf 256 Zeichen beschränkten ASCII-Schriftsätzen bei der Arbeit mit altgriechischen Texten erhebliche Vorteile mit sich:

  1. Eine geeignete Unicode-Schriftart enthält alle notwendigen Zeichen, sowohl lateinische als auch griechische. Das ständige Umschalten der Schriftart entfällt daher, der Text erscheint typographisch einheitlich.

  2. Die Normierung der Codepage ermöglicht einen unproblematischen Transfer zwischen verschiedenen Textverarbeitungssystemen und Betriebssystemen, sowie die Verwendung beliebiger Unicode-Schriftarten.

Vertiefte Hintergrundinformationen dazu bietet http://www.tlg.uci.edu/~opoudjis/unicode/unicode.html.

Unicode hat sich inzwischen als Standard für die Arbeit mit altgriechischen Texten etabliert – auch im Mac-Bereich: Ende 2005 stellte die American Philological Association die Unterstützung für das traditionelle GreekKeys-Format ein, das durch Unicode abgelöst wurde. Viele altertumswissenschaftliche Internetprojekte (z. B. Perseus) bieten mittlerweile Unicode zumindest als Darstellungsoption an, gleiches gilt für gängige Programme für den Zugriff auf den TLG. Für die korrekte Anzeige und Verarbeitung von altgriechischen Texten im Unicode-Format benötigt man jedoch:

  1. ein Unicode-fähiges Anwendungsprogramm. Microsoft Office ab Version 97 und das kostenlose OpenOffice/LibreOffice, sowie das ebenfalls kostenlose AbiWord (http://www.abisource.com) erfüllen diese Voraussetzung. Freilich muss eingeschränkt werden, dass die Verarbeitung von Zeichen in den sogenannten supplementary planes (z. B. akrophone Numerale oder papyrologische Spezialzeichen) in Word erst ab Version 2003, in OpenOffice seit Version 1.0.3 implementiert ist, und die diesbezüglichen Kinderkrankheiten erst nach und nach ausgemerzt wurden. Voraussetzung zur Nutzung der supplementary planes ist zudem in jedem Fall das Vorhandensein einer neueren Version der Microsoft Unicode-Bibliothek uniscribe.dll. Windows 95/98/ME/2000 unterstützen die supplementary planes wohl im Normalfall nicht, doch soll die manuelle Installation einer aktuellen uniscribe.dll möglich sein. WordPerfect bietet auch in der neuesten Version X6 keine Unicode-Unterstützung und ist damit keinesfalls auf der Höhe der Zeit.

  2. eine geeignete Unicode-Schriftart. Zwar weist der Unicode-Standard jedem denkbaren Schriftzeichen eine eindeutige Codierung zu, doch nicht jede Unicode-Schriftart enthält Schriftzeichen für alle definierten Codepunkte. Eine solche "vollständige" Schriftart würde um die 30 MB Speicher beanspruchen; die mit Microsoft Office ab Version 2000 ausgelieferte und zeitweise auch zum Download angebotene Schriftart Arial Unicode kommt dem recht nahe. Tatsächlich enthalten nur wenige Unicode-Schriftarten den zur Anzeige von polytonischem Griechisch (Neugriechisch wird heute zumeist mit einem vereinfachtem – monotonischen – Akzentsystem geschrieben) erforderlichen Zeichenbereich Greek extended.

Geeignete Unicode-Schriftarten sind beispielsweise:

  1. Palatino Linotype (eine fehlerhafte Version wurde mit Windows 2000 ausgeliefert, eine korrigierte mit Windows XP)

  2. Tahoma (seit Windows XP SP1)

  3. Microsoft Sans Serif (seit Windows XP SP2)

  4. Times New Roman (seit Windows Vista)

  5. Segoe UI (seit Windows Vista)

  6. Cambria (seit Windows 7)

  7. Colibri (seit Windows 7)

  8. Courier New (seit Windows 7)

  9. Minion Pro: Opentypefont, ausgeliefert mit der frei verfügbaren Software Adobe Reader seit Version 7 (im Unterverzeichnis \Resource\Font)
    Typographisch derzeit erste Wahl.

  10. Gentium und Gentium Plus (kostenlos unter http://scripts.sil.org/Gentium)
    Typographisch sehr gelungener Font, der unter anderem in der elektronischen Version des DNP Verwendung findet.

  11. Linux Libertine (kostenlos unter http://linuxlibertine.sourceforge.net/Libertine-DE.html bzw. http://sourceforge.net/projects/linuxlibertine)
    Schrift mit GPL- bzw. OFL-Lizenz. Die neueren Versionen sind auch für die Bildschirmanzeige unter Windows stark optimiert. Es empfiehlt sich in diesem Fall die Benutzung der OTF-Versionen.

  12. DejaVu (kostenlos unter http://dejavu-fonts.org)
    Umfangreiche Schriftfamilie, die auf den Vera Bitstream Fonts basiert.

  13. URW Palladio (kostenlos unter http://sourceforge.net/projects/gs-fonts)
    Palatino-Klon, der von der Firma URW an das Ghostscript-Projekt geschenkt wurde und nun unter der GPL frei zur Verfügung steht. In vielen Linuxdistributionen enthalten.

  14. Cardo (kostenlos unter http://scholarsfonts.net/cardofnt.html)
    Momentan neben New Athena Unicode (s. u.) vollständigster Unicodefont, der alle vom TLG in den Unicode-Standard eingebrachten epigraphischen und papyrologischen Sonderzeichen enthält. Wird deshalb auch von der Epigraphic Database Roma (EDR) eingesetzt.

  15. IFAOGrec Unicode (kostenlos unter http://www.ifao.egnet.net/publications/outils/polices)
    Sehr umfangreicher Font, der zahlreiche für papyrologische Editionen benötigte Sonderzeichen enthält.

  16. New Athena Unicode (kostenlos unter http://apagreekkeys.org/NAUdownload.html)
    Freier Unicode-Rezeferenfont der American Philological Association. Befindet sich in ständiger Weiterentwicklung.

  17. Kadmos, Bosporos und Attika Unicode (http://apagreekkeys.org)
    Der früher von der Firma Allotype Typographics kommerziell vertriebene Kadmos-Font erfreute sich insbesondere in der Mac-Welt großer Beliebtheit und wurde auch für professionelle Publikationen herangezogen. Nachdem Allotype die Rechte an die American Philological Association übertragen hatte, entwickelte Donald Mastronarde eine Unicode-Version. Diese ist allerdings nicht direkt über die GreekKeys-Homepage verfügbar. Ein Donwload ist jedoch unter http://www.fonts2u.com/kadmosu.schriftart bzw. http://www.fonts2u.com/bosporosu.schriftart und http://www.fonts2u.com/attikau.schriftart möglich.

  18. Vusillus (enthalten in dem Utility Antioch: http://www.users.dircon.co.uk/~hancock/antioch.htm)

  19. Orthos, Kyrtos und Hyle (kostenlos unter http://www.users.dircon.co.uk/~hancock)
    Beide Schriftarten wurden von Ralph Hancock gestaltet, der auch für den Font IFAOGrec Unicode sowie Vusillus und das Eingabeutility Antioch verantwortlich zeichnet.

  20. MGOpenCanonica (kostenlos unter http://www.ellak.gr/pub/fonts/mgopen/index.en.html)
    Ursprünglich von der griechischen Firma Magenta kommerziell vertriebener Font, der nun freigegeben wurde.

  21. Galatia SIL Greek Unicode (kostenlos unter http://scripts.sil.org/SILgrkuni)

  22. GFS Didot, GFS Bodoni, GFS Olga u. a. m.: verfügbar jeweils als Opentype- und Truetypefont (kostenlos unter )
    Fonts der Greek Font Society, die sich der http://www.greekfontsociety.gr/pages/en_typefaces1.htmlErforschung und Förderung der griechischen Typographie verschrieben hat.

  23. Theano (kostenlos unter http://www.fontsquirrel.com/fonts/Theano-Modern)

  24. Silver Humana (enthalten im Silvermountain Workplace Pack)

  25. Aisa Unicode (enthalten in dem kostenlosen Utility Multikey: http://www.oeaw.ac.at/kal/multikey/)

  26. Titus Cyberbit Basic (kostenlos unter http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/unicode/tituut.asp)

  27. Porson (kostenlos unter http://www.fonts2u.com/porson.font)

  28. Alphabetum (Demo unter http://guindo.pntic.mec.es/~jmag0042/alphaeng.html)

  29. Aristarcoj (kostenlos unter http://www.russellcottrell.com/greek/fonts.htm)

Umfängliche Zusammenstellungen mit Schriftproben finden sich unter http://www.wazu.jp/gallery/Fonts_GreekPoly.html (dort auch entlegenere Schriftarten z. B. für Linear B) und http://www.tlg.uci.edu/help/UnicodeTest.php. Die Schriftart Lucida Sans Unicode enthält trotz ihres Namens nicht alle erforderlichen Zeichen! Speziell für byzantinische Inschriften ist der Font Athena Ruby interessant, der von der Dumbarton Oaks Resarch Library gepflegt wird: http://www.doaks.org/resources/publications/athena-ruby-inscription-font.

Grundsätzlich kann polytonisches Griechisch nach dem Unicode-Standard in zwei verschiedenen Weisen abgebildet werden: zum einen mit kombinierenden Akzenten (Normalisierung D), zum anderen mit zusammengesetzten Zeichen (Normalisierung C). Im ersteren Fall wird die Schriftanzeige aus den zwei Zeichen für den Grundbuchstaben und den gewünschten Akzent kombiniert. Dieser Prozess ist fehleranfällig und führt oft dazu, dass die Akzente nicht sauber über dem Grundbuchstaben positioniert sind. Aus typographischer Sicht ist daher die Verwendung der Normalisierung C mit fertig zusammengesetzten Zeichen vorzuziehen.

Viele der genannten Schriftarten sind nicht für die Ausgabe auf dem Bildschirm optimiert und erscheinen daher insbesondere auf LCD-Bildschirmen stark pixelig. Diesem Effekt kann mit Windows-Bordmitteln partiell abgeholfen werden, indem die Option ClearType aktiviert wird (in Office 2007 und Windows Vista/7 ist ClearType schon standardmäßig angeschaltet). Dies geschieht unter Windows XP entweder über die Ansichtsoptionen in der Systemsteuerung oder bequemer über ein Webinterface unter http://www.microsoft.com/typography/cleartype/tuner/Step1.aspx, welches auch eine spezielle Anpassung an den eigenen Bildschirm ermöglicht.

Die Eingabe von altgriechischer Zeichen kann über das Eingabeschema "Greek Polytonic" des Betriebssystems (Windows 2000/XP/Vista/7, Dokumentation: http://msdn.microsoft.com/en-us/goglobal/bb964651) erfolgen. Die Lernkurve ist relativ steil, weil Windows keine Kombination mehrerer Deadkeys für Akzentkombinationen erlaubt und das mitgebrachte Eingabeschema zudem auf einem US-Tastaturlayout basiert. Eine persönlich angepasste Variante kann jedoch mit dem frei verfügbaren Microsoft Keyboard Layout Creator (http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=22339) erstellt werden. Außerdem erfordert das Windows-Eingabeschema keine zusätzliche Softwareinstallationen und ist systemweit verfügbar, d. h. es kann in allen Programmen verwendet werden und stellt keine Insellösung etwa für Word dar.

Dafür bieten solche Hilfsprogramme mitunter Vorteile in der Bedienung: Für Microsoft Word wäre insbesondere an das allerdings kostenpflichtige Antioch zu denken (http://www.users.dircon.co.uk/~hancock/antioch.htm), für Word und OpenOffice/LibreOffice steht die Software Thessalonica frei zur Verfügung (http://www.thessalonica.org.ru/en/index.html). Beide Programme verfügen auch über Konvertierungsfilter, um ggf. Texte in älteren Formaten (WinGreek, GreekKeys, LaserGreek, Beta Code usw.) nach Unicode zu konvertieren. Weiterhin zu erwähnen ist die Software Multikey (für Word: http://www.oeaw.ac.at/kal/multikey). Auch für das Keyboardutility Tavultesoft Keyman (http://www.tavultesoft.com/keyman, Basisversion kostenlos) stehen Tastaturlayouts für polytonisches Griechisch im Internet zur Verfügung (z. B. http://www.tavultesoft.com/greek, http://www.lukas-pietsch.de/Keyman/Keyboards.html und http://www.stanthonysmonastery.org/GreekPolytonic.htm). Relativ neu ist das frei verfügbare Programm Sibyllai, das im Rahmen des spanischen Palladium-Projektes entwickelt wurde (http://recursos.cnice.mec.es/latingriego/Palladium/5_aps/enplap17.htm). Da es ein spanisches Tastaturlayout voraussetzt, ist die Tastenbelegung für einen deutschen Nutzer jedoch wenig intuitiv, zudem ist die Darstellung auf manchen Systemen fehlerhaft.

Momentan am meisten empfehlenswert ist das vernünftig ausgepreiste Paket GreekKeys 2008 (http://www.apagreekkeys.org), das aus angepassten Windows-Tastaturlayouts besteht (auch für deutsche Tastaturen erhältlich). Im Gegensatz zu allen anderen Lösungen bietet GreekKeys auch Möglichkeiten zur Eingabe metrischer Symbole, epigraphischer und papyrologischer Sonderzeichen aus den supplementary planes. Zusammen mit den Tastaturlayouts werden auch die Schriften Kadmos, Attika und Bosporos Unicode geliefert.

Keines der sonstigen Utilities ermöglicht diese Eingabe von Zeichen aus den supplementary planes. Selbst die Windows Vista-Zeichentabelle und der Befehl "Sonderzeichen einfügen" bis Word 2003 unterstützen diesen Zeichenbereich nicht. In Word bzw. WordPad können entsprechende Zeichen jedoch erzeugt werden, indem der Unicode-Hexadezimalwert (z. B. 10143 für das akrophone Zahlzeichen "fünf") eingegeben und danach ALT+C (in Dialogfeldern ALT+X) gedrückt wird. Dabei muss aber bereits eine Schriftart eingestellt sein, die das entsprechende Zeichen auch enthält, sonst kommt es zu einer fehlerhaften Ersetzung! Eine adäquate Unterstützung für die Zeichen in den supplementary planes bieten nur Word 2007 und die neueren Versionen von OpenOffice/LibreOffice. Letztlich empfiehlt sich – sofern man nicht in das GreekKeys-Paket investieren möchte – die Benutzung eines speziellen Unicode-Texteditors: Empfehlenswert ist das kostenlose BabelPad (http://www.babelstone.co.uk/Software/BabelPad.html), das Unicode 6.1 voll unterstützt und dessen Zeichentabelle auch separat als BabelMap erhältlich ist (http://www.babelstone.co.uk/Software/BabelMap.html).

Empfohlene Zitierweise
Andreas Hartmann, Schriftsatz, aus: Toolbox eMedien, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/toolbox-emedien/hilfsmittel-fuer-althistoriker/schriftsatz/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 06.05.2015