Tutorium Augustanum

Gegenstand und Sinn der Alten Geschichte

Bevor die Frage nach Abgrenzung und Bedeutung der Alten Geschichte selbst gestellt werden kann, muss man sich zunächst allgemein darüber klar werden, was "Geschichte" überhaupt ist bzw. sein kann. Im landläufigen Sprachgebrauch wird kaum zwischen der Vergangenheit an sich und "Geschichte" als einer spezifischen Rekonstruktion dieser Vergangenheit unterschieden. Daran sind die seit der Antike für das Genre Geschichtsschreibung konstitutiven Wahrheits- und Vollständigkeitstopoi nicht unschuldig. Das meist aus dem Zusammenhang gerissene und gedankenlos zitierte Ranke-Diktum, Aufgabe des Historikers sei es zu zeigen, "wie es eigentlich gewesen", ist nur die moderne Umsetzung dieser antiken Tradition.

Die neuere Geschichtstheorie hat diesen Wahrheitsanspruch kritisch hinterfragt. So ungebrochen wie Ranke wird kaum ein zeitgenössischer Historiker mehr an die Objektivität seiner Darstellung glauben. Vielmehr gehört die Einsicht in die Konstruktivität von Geschichte heute zu den methodischen Fundamenten des Faches. Das gilt auch und gerade für die Alte Geschichte, die meist auf eine ausgesprochen mangelhafte Quellenbasis zurückgreifen muss und deren Ergebnisse entsprechend vielfach nicht mehr (aber auch nicht weniger!) als die jeweils plausibelsten Hypothesen zur Deutung der vorliegenden Quellen darstellen.

Empfohlene Zitierweise
Andreas Hartmann, Tutorium Augustanum: Gegenstand und Sinn in der Alten Geschichte, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/tutorial-alte-geschichte/gegenstand-und-sinn/?L=0 (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 11.07.2017