Tutorium Augustanum

Echtheitskritik

Soweit die Echtheit eines literarischen Textes bzw. seine Autorzuweisung aufgrund sprachlicher Kriterien (Wortschatz, Grammatik, intertextuelle Bezüge usw.) angezweifelt wird, fällt dies ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Klassischen Philologie. Umso wichtiger ist es, den jeweils aktuellen Forschungsstand auf diesem Gebiet wahrzunehmen. Manchmal freilich führt auch der Vorgang der historischen Kritik zu Zweifeln an der Echtheit eines Werkes: Die bereits genannten Epistulae ad Caesarem senem etwa sind in ihrem Stil unzweifelhaft sallustisch, gewisse inhaltlich-historische Unstimmigkeiten weisen sie aber wohl doch als Rhetorenarbeit der frühen Kaiserzeit aus. Zwingende Gründe dafür wurden entsprechend zuerst von einem Historiker, nämlich Ronald Syme, vorgetragen, der freilich auch über hohe philologische Kompetenz verfügte. Tatsache aber ist, dass der Historiker zu Echtheits- und Datierungsfragen aufgrund inhaltlicher Erwägungen ebenso viel beizutragen hat wie der Philologe aufgrund sprachlicher Kriterien.

Empfohlene Zitierweise
Andreas Hartmann, Tutorium Augustanum: Echtheitskritik, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/tutorial-alte-geschichte/literarische-quellen/echtheitskritik/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 22.05.2015