Tutorium Augustanum

Preise

Oft werden Dozenten von ihren Studenten mit der Frage konfrontiert, "wie viel das eigentlich sei", ein bestimmter Münzbetrag. Gewünscht wird dann in der Regel eine Angabe in Euro. In älteren Abhandlungen finden sich auch tatsächlich Umrechnungen antiker Geldwerte in Pfund oder Reichsmark. Zu Zeiten der Edelmetalldeckung dieser Währungen konnte man tatsächlich formal den Materialwert umrechnen, wobei das freilich nur auf den ersten Blick zu aussagekräftigen Ergebnissen führt: Um eine Umrechnung zu ermöglichen, muss man sich an den Preis bestimmter Güter bzw. Dienstleistungen halten, z. B. Gold. Selbst der Goldpreis (von anderen Gütern ganz zu schweigen) ist aber keine Konstante, sondern selbst wiederum Schwankungen unterworfen, bedingt durch unterschiedliches Angebot und die jeweilige Nachfrage, heute aber auch durch den von verschiedensten Faktoren (Zinspolitik, wirtschaftliche Tendenzen, Spekulation) abhängigen Wert einer bestimmten Währung. Ähnliches gilt für Arbeitslöhne. Je nach betrachtetem Gut kommt man daher bei der Umrechnung zu ganz unterschiedlichen Euro-Äquivalenten! Es liegt auch auf der Hand, dass sich der relative Wert bestimmter Güter im wirtschaftlichen Gesamtsystem seit der Antike durch die Änderung der Rahmenbedingungen (Produktionsmethoden, Transportmittel usw.) grundlegend geändert hat. Unter den Bedingungen der Antike war zudem mit starken lokalen Preisschwankungen zu rechnen, da das Angebot stark schwanken konnte (Missernten!) und der Transport teuer war. In vielen Fällen ist es daher schwierig bis unmöglich, selbst die vorhandenen Quellen in einen vernünftigen Kontext zu setzen. Gerade bei papyrologischen Quellen stellt sich zudem das Problem, dass zwar viele Preise genannt werden, die zugehörigen Maßeinheiten aber nicht genau bekannt sind. Man kann also wenig mehr tun als durch exemplarische Heranziehung antiker Preisangaben einen Eindruck vom relativen Wert einer genannten Geldsumme zu geben. Dazu bieten sich als Referenzwerte beispielsweise an:

  • Sold eines einfachen Legionärs (seit Augustus 900 HS, seit Domitian 1200 HS im Jahr). Etwa die Hälfte des Soldes wurde für die Lebenshaltungskosten des Soldaten einbehalten!

  • Entlassungsgeld eines einfachen Legionärs (seit Augustus 12 000 HS).

  • Gehalt eines ritterlichen Procurators (zwischen 100 000 und 300 000 HS).

  • Gehalt eines senatorischen legatus Augusti (300 000 HS).

  • Rittercensus (400 000 HS).

  • Senatorischer Census (seit Augustus 1 Mio. HS).

  • Steuereinnahmen aus der Provinz Asia (ca. 38 Mio. HS).

  • Staatseinnahmen (mit viel Spekulation auf ca. 1 Mrd. HS zu schätzen). Über die Hälfte dieser Einnahmen verschlang das Militär, das freilich auch Polizei- und Verwaltungsaufgaben übernahm. Die pax Romana war also teuer erkauft.

Ausführlich dazu:

  1. Löhne und Preise in der griechischen Antike: http://nomisma.geschichte.uni-bremen.de (derzeit leider offline).
    Datenbank mit Preis- und Wertangaben, ursprünglich hervorgegangen aus einer Lochkartensammlung Siegfried Lauffers, dann von einer Bremer Projektgruppe fortgeführt. Sehr nützlich!

  2. Antike Kriegskosten: http://www.uni-erfurt.de/kriegskosten.
    Datenbank mit Angaben zu Kosten im Zusammenhang mit Kriegführung in der Antike. Hinzu kommen Literatursammlungen zum Thema.

  3. Szaivert, Wolfgang/Wolters, Reinhard: Löhne, Preise, Werte. Quellen zur römischen Geldwirtschaft, Darmstadt 2005.
    Leider behandelt der Band nur literarische Quellen, lässt also gerade die große Masse des papyrologischen Materials beiseite (dazu den folgenden Titel). Auch juristische Texte finden keine Berücksichtigung (vgl. dazu die kritische Rezension im Forum Historiae Iuris, positiver die GFA-Rezension). Ein Stellenregister ist jetzt in Form einer Excel-Datei unter http://numismatik.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/inst_numismatik/Autoren_zitate.xls verfügbar. Hier kommen Sie zur H-Soz-u-Kult-Rezension.

  4. Drexhage, Hans-Joachim: Preise, Mieten, Pachten, Kosten und Löhne im römischen Ägypten bis zum Regierungsantritt Diokletians (= Vorarbeiten zu einer Wirtschaftsgeschichte des römischen Ägypten 1), St. Katharinen 1991.

Eine Zusammenstellung von Lohn- und Preisangaben in literarischen Quellen der Kaiserzeit bietet im Internet Walter Scheidel unter http://www.stanford.edu/~scheidel/NumKey.htm. Einen guten Einstieg in die Thematik vermittelt http://imperiumromanum.com/wirtschaft/wert/wert_index.htm.

Empfohlene Zitierweise
Andreas Hartmann, Tutorium Augustanum: Preise, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/tutorial-alte-geschichte/numismatik/preise/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 14.03.2016