Tutorium Archivarbeit

Kirchliche Archive

Kirchliche Archive sind analytisch in drei Gruppen zu teilen: a) die zentralen der Diözesen bzw. Landeskirchen; b) Spezialarchive, z.B. der Diakonie oder von Ordensgemeinschaften; c) die Pfarrarchive.

Pergamenturkunde aus dem Jahr 1500
Die Kirche hat im christlichen Abendland Schriftlichkeit als überlegenes Kommunikations- und Verwaltungsverfahren erkannt und eingesetzt. Stark formalisierte Texte sollten die Verbindlichkeit der auf Urkunden festgehaltenen Rechtsgeschäfte sichern.

Die beiden großen Konfessionen in Deutschland haben ihre je eigene, per Staatsvertrag geregelte Archivverwaltung. Der Hauptunterschied dürfte darin bestehen, dass das katholische Archivwesen zentraler organisiert ist, für die katholischen Pfarrarchive zum Beispiel ist das zuständige Diözesanarchiv verantwortlich. Dagegen bleiben evangelische Pfarrarchive stets Eigentum der jeweiligen Kirchengemeinde, die Landeskirche unterstützt sie nur bei der Archivpflege.

Herausragende Themenkomplexe, zu deren Erforschung Sie (selbstverständlich nicht exklusiv) kirchliche Archivquellen auswerten sollten, sind die Bereiche Schulwesen und Bildung, Armenwesen und Sozialfürsorge, auch die allgemeine politische Geschichte, die die Kirchen als prägende gesellschaftliche Kraft immer mitgestaltet haben. Unabdingbar sind Quellen aus Kirchenarchiven für jede Ortsgeschichtsschreibung. Die Kirchenbücher, also die vom 16. bis weit ins 19. Jahrhundert geführten Personenstandsregister stellen DIE Quelle schlechthin für Familienforscher und Genealogen dar. Diese Tauf-, Ehe- und Totenverzeichnisse werden vielfach nicht mehr im Original vorgelegt, da sie schon deutliche Spuren der Beschädigung durch häufigen, selbst sachgemäßen Gebrauch zeigen.

Evangelisches Pfarrarchiv in Süddeutschland
Ein Pfarrarchiv passt idR in einen Stahlschrank. Bisweilen liegen wie hier die Listen der Gemeindemitglieder, Kirchenkonventsprotokolle, Tauf-, Ehe- und Sterberegister mit Verwaltungsakten, den Restexemplaren der gedruckten Ortsgeschichte beieinander.
Kirchenbuch in einem evangelischen Pfarrarchiv
Hier abgebildet auf der linken Seite das Geburtsregister, mit den Spalten Datum (vielfach abgegriffen und nicht mehr leserlich), Kind, „vatter“, „muoter“, „gevatter“ und „gevatterin“ (Taufpaten). Auf der rechten Seite das Taufregister.


Sofern Sie ein Pfarrarchiv benutzen möchten, sollten Sie den Zugang über das zuständige landeskirchliche respektive Diözesanarchiv suchen. Zum einen liegt dort eine erkleckliche Anzahl der Pfarrarchive deponiert. Zum anderen werden Sie dort kompetente Ansprechpartner finden, die Ihnen gewiss besser helfen können als der überlastete örtliche Pfarrer, der sich heute in der Regel weder in "seinem" Archiv noch in der Ortsgeschichte sonderlich gut auskennen kann. 

Im Diözesan- bzw. landeskirchlichen Archiv wird man Ihnen auch die komplizierte Überlieferungslage erklären. In Worms beispielsweise verwahrt das kommunale Archiv die Kirchenbücher aller städtischen Pfarreien und Religionsgemeinschaften. 

Links

Empfohlene Zitierweise
Martin Burkhardt, Tutorium Archivarbeit: Kirchliche Archive, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/tutorium-archivarbeit/archivarten-und-traeger/kirchliche-archive/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 22.05.2015