Tutorium Recherche

Google Scholar

Google Scholar ist ein weiterer Dienst des Unternehmens Google zur wissenschaftlichen Literaturrecherche. Das Programm weist vor allem Fachzeitschriften, aber auch andere wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie bibliographische Daten nach. Nicht alle Suchergebnisse sind jedoch frei zugänglich. Neben Open Access-Publikationen weist Google Scholar auch kostenpflichtige Angebote von Fachverlagen nach und erschließt damit - im Gegensatz zur Google-Websuche - einen Teil des Deep Web. Allerdings macht Google keine präzisen Angaben zur durchsuchbaren Datenmenge, so dass der Nutzer nicht einschätzen kann, ob er alle relevanten Bestände erfasst hat oder nicht.

Einen Vorteil gegenüber Bibliographischen Datenbanken bietet die Volltextsuche: Mit Google Scholar kann - wie mit Google Books - nicht nur in bibliographischen Angaben und Abstracts, sondern im gesamten Text des Dokuments gesucht werden. Für die Suchfunktion gelten damit jedoch die gleichen Einschränkungen wie bei der Google Büchersuche, vor allem die teilweise mangelhaften bibliographischen Daten können die Suche erschweren und das Ergebnis verfälschen.

Ein Zusatzdienst ist die Zitationsanalyse: Google Scholar scannt die Literaturangaben in den Volltexten und erstellt aus den Textreferenzen eine Analyse, die Rückschlüsse auf den Einfluss und die Bedeutung eines Textes zulässt.

Hauptkritikpunkt an Google scholar ist die Auswahl der Datenbestände und die mangelnde Transparenz des Unternehmens in Bezug auf die Selektions- und Rankingkriterien. Neben Retrodigitalisaten von Fachzeitschriften und Monographien aus dem Bestand der Google Büchersuche finden sich bei Google Scholar auch PowerPoint-Präsentationen und studentische Arbeiten. Die Evaluierung der wissenschaftlichen Qualität bleibt somit Aufgabe des Nutzers, womit vor allem Studierende häufig überfordert sein dürften. Die Verwendung von Technik der Google-Websuche wie Indexierung oder Pagerank trägt ebenfalls zur Verunsicherung bei. Während die Indexierung nur auf Volltexte beschränkt ist und Schlagworte oder Abstracts auslässt, sorgt der Pagerank für eine Sortierung der Suchergebnisse, die der Nutzer in Unkenntnis der Ranking-Kriterien nicht nachvollziehen kann.

Literatur

Franka Handreck und Michael W. Mönnich: Google Scholar als Alternative zu wissenschaftlichen Fachdatenbanken, in: B.I.T. online 11 (2008), 4, S. 401–406, online unter URL: http://www.b-i-t-online.de/heft/2008-04/fach2.htm.

Philipp Mayr: Google scholar als akademische Suchmaschine, in: VÖB-Mitteilungen 62(2009), Heft 2, S. 18–28, online unter URL: http://www.ib.hu-berlin.de/~mayr/arbeiten/mayr-voeb209.pdf.

Canan Hastik, Alexander Schuster, Aleksander Knauerhase: Wissenschaftliche Suchmaschinen: Usability Evaluation und Betrachtung des Suchverhaltens potentieller Nutzer, in: Information Wissenschaft und Praxis, Bd. 60, Heft 2, 2009, S. 61–74, online unter URL: http://canan.hastik.de/science/Wiss._Suchmaschinen_In_IWP_2_2009.pdf.

Empfohlene Zitierweise
Nicola Kowski, Tutorium Recherche: Google Scholar, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/tutorium-recherche/suchinstrumente-im-www/google-co/google-scholar/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 22.05.2015