Tutorium Recherche

Webverzeichnisse

Webverzeichnisse sind Linksammlungen, die zumeist von einer Redaktion ausgewählt, geprüft und nach thematischen Gesichtspunkten sortiert werden. Das Konzept ist angelehnt an Bibliothekskataloge, aber deutlich weniger standardisiert. So variieren bei Webverzeichnissen nicht nur die Selektions- und Bewertungskriterien, sondern auch der Grad der Erschließung, Beschreibung und Auszeichnung der Webressourcen mit Metainformationen. Webkataloge eignen sich für die Suche nach Überblicksdarstellungen. Für den Einstieg in ein Thema sind sie geeignet weil sie ausgewählte und bewertete Inhalte anbieten.

Durch die manuelle Auswahl und Pflege erreichen die Webkataloge zumeist eine höhere Qualität als die automatisch generierten Listen der Suchmaschinen. Allerdings ist dieses Verfahren auch personal- und zeitintensiv. Redaktionell erstellte Linksammlungen verfügen daher über einen wesentlich geringeren Datenbestand als Suchmaschinen, der zudem nicht immer aktuell sein kann.

Häufig beschränken sich Webverzeichnisse nur auf kleine Ausschnitte des WWW. Für die Sammlung geprüfter fachrelevanter Websites ist nach wie vor der redaktionell erstellte Katalog das gebräuchlichste Medium. Die wichtigsten Kataloge für geschichtswissenschaftliche Internetressourcen werden von Fachportalen angeboten: Clio online unterhält ein nach Publikationsarten gegliedertes und mit ausführlichen Beschreibungen versehenes Webverzeichnis. Historicum.net bietet mit dem WebGuide Geschichte eine Sammlung von ca. 10.000 einschlägigen Links, die mit Schlagworten und Abstracts erschlossen sind.

Kommerzielle Verzeichnisse kassieren eine Gebühr für die Eintragung von Websites, wobei die mangelnde Objektivität solcher Kataloge ihren Wert als Suchinstrument deutlich reduziert: der Nutzer kann nicht davon ausgehen, dass eine Webressource aufgrund ihrer Qualität und Relevanz im Verzeichnis gelistet ist. Yahoo als ältester Webkatalog bietet hohe Platzierungen im Verzeichnis gegen Bezahlung an; der Ausbau des deutschsprachigen Webkatalogs wurde inzwischen eingestellt.

Andere Anbieter setzen auf teilweise Automatisierungen, um Erstellung und Pflege des Verzeichnisses effizienter zu machen, z.B. bei der Kategorisierung und Bewertung der Einträge oder bei der Überprüfung der Links.

Das gegenwärtig größte und bekannteste Webverzeichnis, das Open Directory Project (DMOZ), nutzt das Web 2.0 zur Sammlung relevanter Links: User können über ein Webformular Einträge vorschlagen. Freiwillige Redakteure selektieren und kategorisieren  diese Vorschläge und fügen selbst neue Einträge hinzu. Das Verzeichnis enthält ca. 5 Mio. Einträge, davon ca. 500.000 im deutschsprachigen Teil, und kann kostenlos genutzt werden.

Das Konzept der Webkataloge wurde inzwischen übernommen von Social Bookmarking Diensten, in denen Webnutzer ihre Linktipps mit Anmerkungen versehen und teilen können. Kollaborativ lässt sich schnell viel Inhalt generieren, allerdings unter Verzicht auf jede Standardisierung.

Links

Geschichtswissenschaftliche Kataloge

Allgemeine Kataloge

Empfohlene Zitierweise
Nicola Kowski, Tutorium Recherche: Webverzeichnisse, in: historicum-estudies.net,
URL: http://www.historicum-estudies.net/etutorials/tutorium-recherche/suchinstrumente-im-www/webverzeichnisse/ (Datum des letzten Besuchs).

Erstellt: 24.04.2014

Zuletzt geändert: 22.05.2015